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Forschungsprojekt 2008 "PEG-Sonde"

REVITA hat in Zusammenarbeit mit der Universität Witten/Herdecke am Lehrstuhl für Epidemiologie unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Bartholomeyczik im Auftrag des AOK-Bundesverbandes an diesem Projekt teilgenommen.
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Das Forschungsprojekt lautete:
Ablauf von Entscheidungsprozessen zur Anlage einer perkutanen endoskopischen Gastrostomie (PEG)

Projektstatus: laufend
Projektleitung: Frau Prof. Dr. S. Bartholomeyczik
Bearbeitung: Claudia Dinand, MScN,
Tina Quasdorf, cand. MScN
Zeitraum: Juli 2008 bis Dezember 2008
Kooperation: Gastroenterologische Abteilung der Medizinischen Klinik des Allgemeines Krankenhaus Hagen,
Leitung Priv.-Doz. Dr. med. R. Markgraf, Durchführung Julia Müller
Förderung: AOK-Bundesverband

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Info 07.2010:
Nun hat die Projektgruppe eine entsprechende Entscheidungshilfe entworfen. Diese wurde in unserer Einrichtung an Angehörige sowie an Mitarbeiter ausgegeben. Nach Durchsicht der Entscheidungshilfe wurden die Ergebnisse bzw. aufgekommenden Fragen an die Projektgruppe weitergeleitet, sodass Ende 2010 eine endgültige Enrscheidungshilfe angeboten werden kann.
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Beschreibung:
In Deutschland werden jährlich schätzungsweise 140 000 PEG-Sonden angelegt, etwa 65% davon bei älteren Menschen. Die Tendenz ist steigend. Grundlage für eine Indikationsstellung ist eine unzureichende orale Nahrungsaufnahme und drohende oder manifeste Mangelernährung vor allem als Folge neurologischer und onkologischer Krankheitsbilder (Schneider 2007). Die Methode zur Stabilisierung der Ernährungssituation ist seit dem ersten Einsatz in den 1980er Jahren beständig weiterentwickelt worden und besticht in ihrer Anwendung sowohl durch die geringe Komplikationsrate als auch ihre einfache Handhabung (Stein 2004). In letzter Zeit werden jedoch zunehmend Stimmen laut, die den Einsatz einer PEG besonders im terminalen Stadium einer Erkrankung oder bei vorliegender Nichteinwilligungsfähigkeit unter ethischen Gesichtpunkten kritisch diskutieren (Synofzik 2007, de Ridder 2008).
Obwohl die Rechtslage relativ eindeutig ist, wer wann mit wem eine Entscheidung zu treffen hat (Rothärmel 2004) und in den ESPEN-Leitlinien zur enteralen Ernährung (vgl. Schütz et al. 2006) hierzu deutlich Stellung bezogen wird, gibt es Unsicherheiten bei der Umsetzung durch die stark emotional geführte Debatte und wenig systematische Erkenntnisse über den tatsächlichen Ablauf der Entscheidungsprozesse zur Anlage einer PEG.
Vor diesem Hintergrund führt das Institut für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke am Lehrstuhl für Epidemiologie unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Bartholomeyczik im Auftrag des AOK-Bundesverbandes ein Forschungsprojekt zu Entscheidungsprozessen durch, die im Zusammenhang mit der Anlage einer PEG stehen. Dabei handelt es sich um ein zweigliedriges, interdisziplinäres Projekt in Kooperation mit der Medizinischen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses in Hagen (AKH), Abteilung für Gastroenterologie unter Leitung von Herrn Priv.-Doz. Dr. med. Markgraf.
Ziel der Untersuchung ist die Beschreibung der Entscheidungsprozesse zur Anlage einer PEG sowohl im klinischen Krankenhausalltag (Teil 1) als auch in der stationären Altenpflege (Teil 2). Es ist ein multimethodisches Vorgehen geplant. Im Teil 1 sollen zum einen retrospektiv Daten aus den Krankenhausakten eines Jahrganges dreier Kliniken unterschiedlicher Schwerpunktsetzung in Nordrhein-Westfalen mittels standardisiertem Erhebungsbogen gesammelt werden. Ergänzend werden mit dem gleichen Instrument retrospektiv-prospektive Daten im Erhebungszeitraum bei Patienten erhoben, bei denen eine PEG-Anlage geplant bzw. durchgeführt wird.
Im zweiten Teil der Untersuchung ist eine retrospektive Dokumentenanalyse von ca. 50 Dokumentationen in ca. fünf Altenpflegeeinrichtungen Nordrhein-Westfalens mittels teilstandardisierter Checkliste vorgesehen. Die Auswertung bezieht sich ausschlie?lich auf Dokumentationen von BewohnerInnen, die mit Hilfe einer PEG ernährt werden. Zusätzlich sollen leitfadengestützte Experteninterviews mit Pflegenden und HausärztInnen der Region Auskunft über die Entscheidungsprozesse vor Anlage einer PEG geben.
Langfristig ist angedacht, anhand der Ergebnisse dieser Untersuchung eine Entscheidungshilfe zu entwickeln, die in einer Folgestudie getestet werden soll (AOK-Bundesverband, unveröff. Dok.).
Literaturquellen erhältlich unter claudia.dinand@uni-wh.de

Gez. O. Ramsauer


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